Impfungen

 

Parvovirose (Canine Parvovirose -2) - Katzenseuche des Hundes

Im Jahre 1979 traten unter den Hunden in der Bundesrepublik schwerste Dünndarmentzündungen auf. Die Erkrankung zeigte sich durch Symptome von Schleimhautentzündung bis zu hämorrhagischer (vermehrtes Austreten von Blut) Gastroenteritis (Magen-Darm-Erkrankung). Es kam zu Fieber sowie Untertemperatur, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Austrocknung, Bauchschmerzen, unstillbares Erbrechen, Leukopenie (Verminderung der weißen Blutzellen),  Agglutation von Erythrozyten (Zusammenballung der roten Blutkörperchen) und Tod.

Die Sterblichkeitsrate war sehr hoch. Die Krankheit war bis zu diesem Zeitpunkt noch recht unbekannt.

1978 war aus Afrika, Australien, USA und Kanada von schweren Magen-Darm-Erkrankungen berichtet worden. Das Virus traf auf eine immunologisch unvorbereitete Hundepopulation. Jungtiere im Alter von 4 bis 8 Wochen starben plötzlich infolge einer Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels). Da der Herzmuskel bis zum Ende der vierten Lebenswoche eine sehr hohe Zellteilungsrate aufweist, ist während dieser Zeit das Herz der Hauptangriffsort der Parvoviroseinfektion.

1979 hatte die Infektion Europa erfasst. 

1968 hatte man bereits Parvoviren (CPV-1) im Kot von Militärhunden nachgewiesen, doch zeigten diese Hunde keine derartigen Krankheitssymptome. Das CPV-1 wird mit Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht.

Auf Grund der Pandemie im Jahre 1978-1979 kamen viele Fragen auf und verschiedene Hypothesen zur Virusentstehung wurden erörtert. Die Parvovirose (CPV-2) war wohl die erste Krankheit, für die schon vor ihrem Auftreten ein wirksamer Impfstoff existierte. Die Entwicklung sowie das klinische Erscheinungsbild stimmten weitgehend mit der Infektion von Katzen mit FPV überein. Interessanterweise kann das CPV-2 Katzen nicht infizieren.

Wegen des hohen Verwandtschaftsgrades des Canine Parvovirus (Hundeparvovirus - CPV) und dem Feline Parvovirus (Katzen Parvovirus -FPV oder auch Felines Panleukopenievirus) wurden Impfversuche mit dem Katzenpanleukopenie – Impfstoff durchgeführt. Man nimmt also an, dass die Krankheit, die bis jetzt nur eine Katzenkrankheit war, im Labor entstanden ist. Vermutlich adaptierte man FPV in Hundezellen um einen abgeschwächten Impfstoff gegen FPV zu erzielen. Die Erkrankungen in den USA, Kanada und Australien sprachen dafür, daß die mutierten Viren in einem dieser Länder entstanden sind und durch den weltweiten Impfstoffhandel verbreitet wurden.

Durch die ständige Attenuierung hat sich das Virus verändert und es kam zum Auftreten so genannter neuer „antigener Typen“ des CPV, die als CPV-2a und CPV-2b bezeichnet werden. Von großer Bedeutung ist, dass die neuen Typen ein erweitertes Wirtsspektrum aufweisen. Während der CPV-2 Typ nur den Hund infizierte, können die neuen Typen jetzt Hund und Katze infizieren, bei beiden eine Krankheit verursachen und zwischen beiden Tierarten übertragen werden. Ebenso sind auch Wildtiere für die neuen antigenen Varianten empfänglich.

Hunde jeden Alters und Rasse können an Parvovirose erkranken. Bestimmte Rassen sind anfälliger und weisen ein erhöhtes Krankheitsrisiko auf, wie z. B. Dobermann, Labrador, Deutscher Schäferhund, Rottweiler und  American PitBull Terrier. Die Inkubationszeit beträgt 2-3 Tage. Der perakute Verlauf führt innerhalb weniger Stunden zum Tod. Überleben Tiere diese Krankheit, dauert es etwa 10-15 Tage bis keine Viren mehr ausgeschieden werden.

Als Impfstoff stehen ein Lebend-, sowie ein inaktivierter Impfstoff (Todimpfstoff) zur Verfügung. Selbstverständlich stieß ein Lebendimpfstoff auf Kritik und man versuchte, den inaktivierten Parvoviren den Vorzug zu geben. Obwohl inaktivierte Vakzinen und Lebendimpfstoffe verfügbar sind, konnten sich nur die Lebendimpfstoffe auf den Markt durchsetzen. Mit dem Lebendimpfstoff können höhere Antikörpertiter erzeugt werden. Dies trug dazu bei, dass man sich den Lebendvakzinen zuwandte. Dazu muss man wissen, daß Tiere auch dann einen Schutz haben, wenn ihr Titer sehr niedrig oder nicht mehr messbar ist.

Geimpfte und Ungeimpfte sind gleichermaßen in der Lage, Andere zu infizieren. Lebendimpfstoffe führen bis zu einer Woche zur Ausscheidung des Erregers mit dem Kot. Daher sind sie in manchen Ländern nicht zugelassen, weil hier eine Übertragung der Krankheit durch den Impfstoff geschehen kann.

Totimpfstoffe kommen vorrangig bei tragenden Hündinnen zur Anwendung. Damit das Virus sich fortpflanzen kann, benötigt es Zellen, die über eine hohe Zellteilungsrate z.B. Zellen der Darmkrypten verfügen. Bei Verwendung von Lebendimpfstoffen könnten Missbildungen entstehen. Man bedenke aber, dass im Impfstoff neben den Viren noch Neomycin (Antibiotika), Gelatine, Thiomersal (organische Quecksilberverbindung) usw. enthalten ist.

Trotz erworbener Populationsimmunität (Populationsimmunität: Die Populationsimmunität gewährleistet, dass ein in die Population eingeführter Krankheitserreger keine genügend große Zahl empfänglicher Tiere findet und die Infektionskette daher nach wenigen Tierpassagen beendet)

können Welpen und junge Hunde im Alten von 6 Wochen bis 6 Monaten akut erkranken. Es muss primär vermieden werden, dass Welpen oder Junghunde mit einer hohen Erregerzahl konfrontiert werden. Die Hunde dürfen keinerlei Stressfaktoren ausgesetzt werden z.B. einer Ausstellung, Transport, Futterumstellung, Wurmkuren usw. Zudem wird noch empfohlen, trotz Impfung, auf ein Höchstmaß auf Sauberkeit zu achten. Boxen werden dampfgestrahlt und desinfiziert, Futter- und Trinknäpfe und sonstige Utensilien täglich penibel gereinigt und desinfiziert. Anscheinend kann der Impfschutz keinem hohen Infektionsdruck standhalten - weshalb sonst die mikrobiologische Hygiene?

Nun frage ich mich – ist der Impfschutz wirklich wirksam?

Was ist das für ein Impfschutz, der nicht schützt?