Impfungen

 

Impfen wir unsere Haustiere zu Tode?
Ich denke ja.

Leider gibt es zu Impfungen unserer geliebten Haustiere wenig bis sehr mangelhafte Informationen. Eins steht aber fest, unsere Haustiere werden noch häufiger geimpft als der Mensch.
Dazu einen Bericht von Monika Peichl:

Impfen wir zuviel?

von Monika Peichl

www.haustierimpfungen.de

Veröffentlicht mit freundlicher Erlaubnis der Autorin

„Wir impfen unsere Haustiere noch zu Tode.“
(Tierärztin K. N., die mit dieser Äußerung lieber nicht namentlich zitiert werden möchte.) 

Immer mehr Hundehalter fragen sich, ob ihre Tiere wirklich jedes Jahr fünf- bis siebenfach geimpft werden müssen. Ihre Zweifel sind berechtigt. Vor allem in den USA wird das herrschende Impfschema für Hunde (und Katzen) schon seit Jahren von Hochschulveterinären angegriffen und durch Studien über die Dauer des Immunschutzes nach Impfungen sowie durch allgemeine immunologische Überlegungen erschüttert. Dabei haben auch die wachsenden Erkenntnisse über Impfschäden wichtige Anstöße gegeben. 

Die Kritiker wenden sich zum einen gegen die übermäßig häufigen Nachimpfungen, zum anderen gegen das oft praktizierte Prinzip, allen Hunden alle Impfungen zu verpassen, ob sie sie wirklich brauchen oder nicht. Zudem sind einige Vakzinen wegen mangelhafter Wirksamkeit und überdurchschnittlich hohen Nebenwirkungsquoten unter Beschuss geraten. 

Die folgende Zusammenstellung stützt sich auf Auskünfte von Kleintiervirologen, Tierärzten und Tierhaltern sowie auf wissenschaftliche Veröffentlichungen, darunter besonders auf eine Übersichtsarbeit von Professor Ronald D. Schultz, Chef der Abteilung für Pathobiologie an der Universität von Wisconsin in Madison („Considerations in Designing Effective and Safe Vaccination Programs for Dogs“, Mai 2000), sowie auf die Hunde-Impfrichtlinien der American Animal Hospital Association vom März 2003.

 

„Core vaccinations“ – Impfungen, die wirklich wichtig sind

Unter core vaccinations verstehen die Kleintiervirologen und –immunologen die Impfungen gegen wirklich schwere bis lebensbedrohliche Krankheiten. Diese Impfungen sollten alle Hunde erhalten, unabhängig von Wohnort und Lebensstil oder Art der Haltung. Die Impfung gegen Tollwut ist darüber hinaus erforderlich, weil der Erreger auf den Menschen übertragbar ist (Zoonose). Als core vaccinations gelten: Tollwut, Parvovirose (canines Parvovirus-2),  Staupe (canines Staupevirus), kontagiöse Hepatitis (canines Adenovirus-2).
 

Tollwut

Tollwutvakzinen für Haustiere sind immer Impfstoffe mit abgetöteten Erregern. Die Dauer des Immunschutzes nach Impfung beträgt mindestens drei Jahre. Das gilt auch für die in Deutschland zugelassenen Tollwutimpfstoffe. Bei grenzüberschreitenden Reisen von Hunden wird jedoch in vielen Ländern der Nachweis einer Tollwutimpfung verlangt, die höchstens 12 Monate zurückliegen darf (für Schweden und England werden sogar Titermessungen als Nachweis des Impfschutzes verlangt). Daher kann es erforderlich sein, daß jährlich geimpft wird.

 Wird das Tier aber nicht auf grenzüberschreitende Reisen mitgenommen, so kann man über die jährliche Tollwutimpfung zumindest dann nachdenken, wenn der Hund nicht in einem tollwutgefährdeten Bezirk lebt. 

Wird der Hund in (Wald-) Gebieten ausgeführt, wo Wildtollwut heute noch vorkommt, sollte man lieber jährlich impfen lassen. Bei Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Wildtier können die Veterinärämter – auf Basis der Tollwut-Verordnung – die Tötung eines Haustiers anordnen, wenn seine letzte Impfung länger als ein Jahr zurückliegt. Bestenfalls wird Quarantäne verhängt. Tollwutverdächtige Haustiere dürfen weder postexpositionell geimpft noch sonstwie behandelt werden. Es sind aber schon  Kontakttiere jenseits der Ein-Jahres-Frist verschont worden, weil sie a) keinerlei Tollwutsymptome zeigten und weil b) Daten des Impfstoffherstellers beim Veterinäramt eingereicht wurden, aus denen hervorgeht, daß die verwendete Vakzine weit länger als ein Jahr Schutz bietet. Dennoch steht auf allen deutschen Tollwutimpfstoff-Beipackzetteln, daß jährlich revakziniert werden muß. 
 

Staupe, Parvovirose, kontagiöse Hepatitis  

Die Dauer des Immunschutzes nach Impfung gegen Staupe, Parvo und Hepatitis beträgt nach US-Studien sieben Jahre und mehr, wenn ein Lebendimpfstoff verwendet wurde (was heutzutage die Regel ist).  

Tierärzte werden nervös, wenn man den Sinn jährlicher Impfungen gegen Staupe, Parvo und Hepatitis in Zweifel zieht. Sie verweisen darauf, daß es in den 80er und 90er Jahren immer wieder Ausbrüche von Parvo oder Staupe gegeben habe. Allerdings wird dabei stets die entscheidende Frage vernachlässigt, unter welchen Haltungsbedingungen die betroffenen Hunde lebten, wie ihr Immunstatus war, welchem Infektionsdruck sie ausgesetzt waren und ob es sich vielleicht um neuartige Virusstämme gehandelt hat. Von den Ausbrüchen betroffen waren außerdem keineswegs nur ungeimpfte, sondern sehr wohl auch durchgeimpfte Hunde. Parvo und Staupe bedrohen vor allem die Welpen und solche adulten Tiere, deren Immunsystem geschwächt ist, zum Beispiel durch schlechte Ernährung, bestehende Krankheiten oder Streß. Die Erreger können zumal in (schlechten) Zuchten ein anhaltendes Problem sein. Interessanterweise bekommt man dort die Infektionen auch durch ständiges Impfen gar nicht in den Griff. 
 

Epidemien wegen schlechter Impfmoral? 

Tierärzte und Pharmaunternehmen ziehen als Beweis dafür, daß man jährlich nachimpfen muß, gern die lokalen Staupe-Epidemien seit Ende der 80er Jahre heran. Sie seien durch nachlassende Impfmoral der Hundehalter verschuldet worden, wird behauptet. Die Wahrheit sieht jedoch anders aus: Die Ausbrüche wurden durch Feldvirusstämme verursacht, gegen die die vorhandenen Impfstoffe überhaupt nicht schützten. Daher erkrankten auch viele durchgeimpfte Hunde. Wissenschaftler in aller Welt haben das Versagen der Impfstoffe gegen die Wildvirusstämme in verschiedenen Studien nachgewiesen. 

Bei der finnischen Staupe-Epidemie 1994/95, die von Befürwortern jährlicher Impfungen gern ins Feld geführt wird, erkrankten nachweislich sehr viele geimpfte Hunde. Genauere Untersuchungen zeigten, daß sie den am meisten verkauften Staupeimpfstoff erhalten hatten (Marktanteil in Finnland 1994: knapp 74 Prozent), daß der aber sehr viel schlechter schützte als andere Produkte.  

Es ist klar, daß auch jährliche oder gar noch häufigere Impfungen nicht schützen, wenn der Impfstoff kaum Schutz erzeugt und/oder nicht auf die grassierenden Erreger abgestimmt ist. 

Sind Auffrischimpfungen überhaupt sinnvoll? 

Kommt ein gesunder Hund mit Erregern in Kontakt, gegen die er früher einmal geimpft wurde, so erhält er dadurch einen „Booster“, quasi eine natürliche Impfauffrischung: Sein Immunsystem wird angeregt, neue Abwehrzellen gegen das Virus zu bilden. Wozu also dann dauernd nachimpfen? Dieses Prinzip des natürlichen Boosters gilt für viele Infektionskrankheiten. 

Die jährlichen Auffrischimpfungen (gegen Staupe und andere virale Erreger) sollen der Theorie nach die Menge der erregerspezifischen Antikörper wieder erhöhen. Ob sie das wirklich tun, ist sehr die Frage. In Studien, die Ron Schultz an Hunden gemacht hat, zeigte sich, daß die Antikörpertiter nach der Wiederholungsimpfung gar nicht signifikant stiegen: Das Immunsystem stürzte sich auf die Impf-Antigene, wie es sich auch auf einen richtigen Erreger stürzen würde. Schon deshalb sind die ständigen Auffrischimpfungen fragwürdig. Profitieren können davon allenfalls Tiere, bei denen die vorherigen Impfungen nicht funktioniert haben, also Impfversager. Die sind aber selten. Durch eine gute Grundimmunisierung, die lege artis am gesunden Tier im nicht zu frühen Welpenalter vorgenommen wurde, sind die meisten Hunde geschützt.  
 

Antikörper sind nicht alles 

Außerdem: Es ist richtig, daß die Antikörpertiter (Anzahl der speziellen Abwehrzellen im Blut) nach Impfungen mit der Zeit abfallen. Das bedeutet aber nicht unbedingt, daß der Schutz nicht mehr vorhanden ist. Denn im Immunsystem spielt die zelluläre Immunität eine wichtige Rolle, und diese Immunität ist nicht serologisch (durch Titer) meßbar, sondern durch Testinfektionen (Challenge-Tests) oder durch äußerst aufwendige Tests mit bestimmten Immunzellen. Schultz stützt sich in seinen Angaben zur tatsächlichen Dauer des Immunschutzes nach Impfung sowohl auf Antikörper-Messungen als auch auf Challenge-Tests. 
 

Hepatitis „kommt fast nicht mehr vor“ 

Last, but not least zur kontagiösen Hepatitis: Diese Krankheit „kommt in Deutschland fast nicht mehr vor“, heißt es in dem aktuellen Fachbuch „Infektionskrankheiten bei Hund und Katze“ von Gaskell und Bennett. (Das Werk stammt aus England und wurde im Hinblick auf die Infektionslage und die Impfstoffe in Deutschland überarbeitet.) Wenn also in einem Fachbuch festgestellt wird, daß die kontagiöse Hepatitis fast nicht mehr auftritt – warum dann alle Hunde jährlich dagegen impfen? Seltenheit des Erregers und die lange Dauer des Immunschutzes nach einer guten Grundimmunisierung lassen das wahrlich nicht sinnvoll erscheinen.